Kamingespräch mit Prof. Dr. Kippes | Geschäftsführer von Schloss Schönbrunn

Published on Sep 26th, 2010 by lordrieger | 0

Prof. Kippes, als einer der beiden Geschäftsführer von Schloß Schönbrunn darf man Sie ja getrost als “Herr der Kachelöfen” bezeichnen. Wissen Sie eigentlich wieviele dieser Prunkstücke das Schloß beherbergt?

WK: Sie kennen ja bereits unser beispielgebendes Projekt, die gesamte Anlage des Schlosses und des umliegenden Areals in einer detailgetreuen 3D-Visualisierung darzustellen. Mithilfe dieser einzigartigen Technik kann ich von meinem Schreibtisch aus praktisch jeden kranken Baum im Park erkennen.

Im Zuge dieses Projektes wird natürlich auch das gesamte Inventar nicht nur erfasst, sondern auch mit umfassenden Detailinformationen versehen. So werden Herkunft, Zustand, Materialbeschaffenheit, Reparatur- und Restaurierungsdaten ebenso festgehalten wie Querverbindungen zu Literatur, Dokumentation und geschichtsrelevanten Informationen.

Eine umfassende Datensammlung zu den Kachelöfen im Schloß Schönbrunn und in der Hofburg wird in etwa 3 Monaten zur Verfügung stehen.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: In den Schauräumen des Schlosses befinden sich 16 Kachelöfen im Erdgeschoß und 24 im Obergeschoß. 20 Kachelöfen bewahren wir – sozusagen in Reserve – in einem Lager auf. In den Ausstellungsräumen der Wiener Hofburg sind 20 Kachelöfen zu besichtigen.

Handelt es sich dabei um Originale oder um Nachbauten?

WK: Auch bei dieser Frage muss ich ein wenig ausholen: Bei den Kachelöfen handelte es sich um sogenannte “Überschlagsöfen”. Da Schloß Schönbrunn ja als Sommerresidenz gedacht war, die von Anfang April bis Ende Oktober bewohnt wurde, mussten die Öfen nur eine geringe Heizleistung erbringen.

Als dann im 19. Jahrhundert der Hofstaat immer größer wurde und das Schloß auch immer öfter im Winter teilweise bewohnt war, kam es häufig zu Heizschäden an den Kachelöfen, die ja nicht als Vollheizung konzipiert waren.

Wenige ausgewählte Firmen durften als “Hoflieferanten” diese Schäden beseitigen. Es erfolgte daher bei einigen Kachelöfen mehrfach ein Wiederaufbau nach den Original-Formen.

Ich kann also Ihre Frage so beantworten, dass die meisten Öfen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen, jedoch nach Formen des 18. Jahrhunderts nachgebaut wurden.

Kann man den Wert so eines Kachelofens beziffern?

WK: Nein, eigentlich nicht. Solche einzigartigen Stücke sind ja nicht nur an ihrem Wert als “Antiquität” zu schätzen, sondern sind im Kontext zu sehen, der die Einrichtung solcher historischen Räume erst komplettiert und ja auch aus geschichtlicher Sicht viel über das Leben “in der guten alten Zeit” aussagt.

Allerdings ist natürlich auch heute ein Nachbau so eines Prunkstückes möglich und hier kann man Produktionskosten von etwa 100.000 Euro annehmen – ohne Aufbau und Montage.

Stimmt es, dass die Kachelöfen allesamt über Gänge beheizt wurden, die hinter den Räumen liefen? Wie muss man sich das vorstellen?

WK: In der Tat gibt es hinter den herrschaftlichen Räumen einen “Dienstbotengang”, durch den auch die Beschickung der Kachelöfen erfolgte. Man wollte die hohen Herrschaften ja nicht durch die Tätigkeit des Heizens stören und etwaige Verschmutzung der Räumlichkeiten verhindern.

Und noch eine ganz persönliche Frage: Besitzen Sie selbst einen Kachelofen?

WK: Was für eine Frage! Natürlich will ich auch selbst nicht auf die Behaglichkeit und den Wohlfühlfaktor eines Kachelofens verzichten und so habe ich für meine Wohnung einen österreichischen Kleinkachelofen gewählt.