Kachelofen | Gedichte und Sprüche rund um den geliebten Wärmespender

Published on Nov 18th, 2010 by Kachelofenverband | 0

Sie finden auf unserer Website viele interessante Fakten und noch einmal so viele Fakten. Und das ist ja auch gut so. Zwischendurch aber möchten wir Sie zur „Lese-Entspannung“ – vielleicht neben Ihrem knisternden Kachelofen – einladen. Setzen sie sich hin, holen Sie sich eine heiße Schokolade und erfrischen Sie Ihren Geist mit kleinen Nebensächlichkeiten.

Die Reise führt uns in die Welt der Gedichte und Sprüche rund um den Kachelofen. Der Schaffenszeitpunkt einiger Sprüche und Gedichte liegt einige Jahrzehnte teilweise sogar ein paar Hundert Jahre zurück. Zu dieser Zeit war der Kachelofen der häusliche Mittelpunkt, an dem sich die gesamte Familie zusammenfand, um sich einerseits zu erwärmen und andererseits das Licht zu teilen, welches das Feuer spendete und damit die Kerze am Tisch, die neben dem Kachelofen aufgestellt wurde, unterstützte.

Dass Joachim Ringelnatz einen Kachelofen besaß und Kacheln für ihn und in seiner Zeit sehr wertvoll waren, beweist eindrücklich seine großzügige Liebeserklärung:

Sprüche und Gedichte rund um den KachelofenIch liebe dich so sehr –
ich würde dir ohne Bedenken
eine Kachel aus meinem Ofen schenken.

Joachim Ringelnatz

***

„Mit Blitzen kann man die Welt erleuchten,
aber keinen Ofen heizen.“

Christian Friedrich Hebbel

***

Das ist das menschliche Leben:
bei dem einen raucht der Ofen,
wenn der Wind von Nordwesten,
bei dem anderen,
wenn er von Südosten kommt.

Wilhelm Raabe

***

„Wer sich im Alter wärmen will,
muss sich in der Jugend einen Ofen bauen.“

deutsches Sprichwort

***

„St. Martin setzt sich schon mit Dank,
zum warmen Ofen an die Bank.“

Bauernregel

***

„Wenn am Dach hangen gefrorene Spitzen,
dann ist gut beim Ofen sitzen.“

Bauernweisheit

***

„Lieber Ofen, ich bete dich an,
du brauchst Holz und ich ein Mann.“

Alter Kinderspruch

***

Pumpernickel Hänsle
saß hinterm Ofen und schlief.
Da brannten seine Höslein an –
potzdamend, wie der lief!

unbekannter Verfasser

***

Draußen schneit es
Es schneit draußen still und weiß;
an Dach und Blumen hängt das Eis.
Von fern ein Schlittenglöckchen klingt,
ein Silberstern durchs Fenster blinkt,
im Ofen helles Feuer knackt,
die Mutter steht am Herd und backt.

unbekannter Verfasser

***

Herbstabend
Der Ofen schnauft als wie ein Hund
im Traum.
Es fährt der Wind in seinen Schlund
vom Raum …

von Sternen, fernen, angeglüht,
der Wind …
Es lauscht ihm liebend mein Gemüt,
ein Kind.

Er kommt wohl noch aus Abendluft
daher,
in seinem Mantel hängt noch Duft
vom Meer,

noch letztes Gold vom Sonnenrund
am Saum …
Der Ofen schnauft als wie ein Hund
im Traum …

Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern

***

Mit rotem Mantel
Mit rotem Mantel und langem weissem Bart,
kommt er daher in schneller Fahrt.
Manch einer unter’n Ofen kriecht husch husch,
versteckt sich und macht kusch kusch.
Denn sicher holt der Nikolaus
etwas aus dem Sack heraus.
Eine Rute für das Kinderpack
oder vielleicht doch ein Geschenkepack?

Nikolausgedichte von Monika Minder

***

Der Wein macht, daß einer anschaut:
einen Kachelofen für ein Bierglas,
Einen Mehlsack für ein Weinfaß,
einen Kirschbaum für einen Besenstiel,
einen Federwisch für eine Windmühl,
eine Katz für einen Wachtel,
einen Star für eine Schachtel

Johann Ulrich Megerle; (1644 – 1709)

***

Frühling
Die Bäume im Ofen lodern.
Die Vögel locken am Grill.
Die Sonnenschirme vermodern.
Im übrigen ist es still.

Es stecken die Spargel aus Dosen
Die zarten Köpfchen hervor.
Bunt ranken sich köstliche Rosen
In Faschingsgirlanden empor.

Ein Etwas, wie Glockenklingen,
Den Oberkellner bewegt,
Mir tausend Eier zu bringen,
Von Osterstören gelegt.

Ein süßer Duft von Havanna
Verweht in ringelnder Spur.
Ich fühle an meiner Susanna
Erwachende neue Natur.

Es lohnt sich manchmal, zu lieben,
Was kommt, nicht ist oder war.
Ein Frühlingsgedicht, geschrieben
Im kältesten Februar.

Joachim Ringelnatz

***

Weisse Weihnachten
Die weiße Weihnacht, haben wir sie wieder?
Die Kinder singen lustige Winterlieder.
In den letzten Jahren konnte Schnee die Erde nicht bedecken,
wir mussten die Füße in Gummistiefel stecken.

Durch Pfützen stapfte man, im Matsch hing man fest
und das immer pünktlich zum Weihnachtsfest.
Die weiße Weihnacht wo war sie nur hin?
Nur als Kinder hatten wir sie noch im Sinn.

Dabei knackte manchmal im November der Frost schon so schön,
selbst Eis auf dem Wasser konnte man seh’n.
Da hoffte man jedes Jahr zur gleichen Zeit,
auf eine frostige, weiße Weihnachtszeit.

Unter dem duftenden leuchtenden Weihnachtsbaum
erzählte man den Kindern von früher, sie glaubten es kaum,
von Eisblumenfenstern, durch die die Schneekönigin schaut,
von meterhohen Schneemännern, von uns gebaut.

Man konnte den Schlitten über das Eis schieben,
wir haben uns gegenseitig mit Schnee abgerieben,
dann gab’s eine zünftige Schneeballschlacht
und abends hat Mutti dann Tee gemacht.

Da rochen aus dem Kachelofen die Bratäpfel lecker,
die Küche sah aus wie beim Zuckerbäcker,
die Schlittschuhe wurden noch an die Schuhe geschraubt,
aus der heißen Dämpfmaschine die heißen Kartoffeln geklaut.

Heute gibt’s für die Äpfel die Mikrowelle
und Kekse und Stollen aus dem Supermarkt auf die Schnelle.
Die Schlittschuhe gibt’s fertig im Stück,
wir haben heute wenigstens die weiße Weihnacht zurück.

Die Kinder hören von Märchen erzählenden Großmüttern,
um Mitternacht ging man Pferd und Kälbchen füttern.
Da leuchten die Kinderaugen unterm Weihnachtsbaum,
geweckt ist wieder dieser alte Weihnachtstraum.

Die Familie ist eng zusammengerückt,
die Kinder hören zu ganz entzückt.
Es ist Weihnachten und die Herzen sind weit,
egal ob es draußen regnet oder schneit.

Volksgut

***

Das Jahr geht an mit weißer Pracht
Das Jahr geht an mit weißer Pracht.
Drei König‘ stapfen durch die Nacht.
Das Rehlein scharrt den harten Grund,
klar ziehn die Stern‘ in ernster Rund.

Der Weg verweht, das Haus so still,
der Bauer liest in der Postill‘,
der Ofen singt, die Stund‘ vergeht,
nur sacht! Wir kommen nie zu spät.

Um Fabian, Sebastian
Der Schreiner hobelt singend:
»Mach, Alter, dich bereit!«

So sang es kurz in Worten,
In Tönen doch noch lang,
Bis mich in Schlaf und Träume
Einlullte der Gesang.

Justinius Kerner

***

Mädchen am Ofen
Mädchen am Ofen
Sitzet und spinnet:
Dichter im Winkel
Sitzet und sinnet-

Dämmerung draußen,
Dämmerung drin:
O wie voll ist mein Herz!
O wie schwer ist mein Sinn!

Spule surrt-
Rädchen schnurrt-
Dämmerungsgedanken
Mädchentraum,
Dichtertraum,
Wachsen und ranken-

Amor, ach Amor,
Schnell tritt herein,
Bring uns Licht, Bring uns Licht!
Danken´s dir fein!

Wilhelm Raabe

***

Das Leben, Gott sei Dank,
ist kein Tummelplatz großer Gefühle,
sondern eine Alltagswohnstube,
drin das so genannte Glück davon abhängt,
ob man friert oder warm sitzt,
ob der Ofen raucht oder guten Zug hat.

Theodor Fontane

***